Jugendbüro (EL.19.2.5)

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Ausgangssituation / Rahmen

Mit der Ratifizierung der UN Kinderrechtskonvention im Jahre 1990, hat sich das Großherzogtum Luxemburg verpflichtet, die darin aufgestellten Rechte der Minderjährigen in ihre Infrastrukturen einzubinden. Die Artikel 12 und 13 der Kinderrechtskonvention weisen explizit auf die Berücksichtigung des Kindeswillens, sowie die Meinungs- und Informationsfreiheit der Kinder hin. Neben einem Ombudskomittee für die Inschutznahme von Kinder-und Jugendlichen, wurden in der Zwischenzeit viele Initiativen im Bereich Prävention genommen.

Im Bereich der Partizipation wurden vor allem in den letzten Jahren Projekte gestartet. Ein gutes Beispiel dafür ist das Jugendparlament in der Hauptstadt, an dem sich engagierte Schüler beteiligen. Daneben ist ein Institut für politische Bildung an der Universität von Luxemburg geplant. 

Für die jüngeren Kinder zwischen 0 und 12 Jahren wurde 2012 in Wiltz das Kinderbüro ins Leben gerufen. Als Pilotprojekt des Bildungsministeriums und der Gemeinde Wiltz, verfolgt das Kinderbüro die Mission, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich an Entscheidungen in ihrem direkten Lebensumfeld zu beteiligen, und mit Entscheidungsträgern über ihre Bedürfnisse und Meinungen zu diskutieren. Die Projekte finden im formellen, non-formellen und informellen Bildungsbereich statt. Das Kinderbüro ist daher im Angesicht der anderen Partizipationsinitiativen in Luxemburg eine Drehscheibe für politische Bildung jüngerer Kinder, und setzt ein Gleichgewicht zu den Bemühungen die im Süden des Landes bereits bestehen oder geplant sind. Unter den diversen Projekten waren zum Beispiel Umfragen, Spielplatzplanungen und Gemeinderatssitzungen, die gemeinsam mit Kindern geplant und durchgeführt worden sind. Anhand dieser Initiativen haben Kinder erlebt, wie Demokratie funktioniert. Erwachsene haben bei den Unterfangen erkannt, wie wertvoll und konstruktiv die Einbindung von Kindern in ihre Arbeit sein kann. Heute hat das Kinderbüro eine wichtige Position in der Gemeinde und dient Erwachsenen wie Kindern als Ansprechpartner im Bereich Kinderpartizipation. Die daraus erwachsenden Jugendlichen sehen sich nach ihrer Umschulung in die Sekundarstufe einer solchen Instanz, die sich ausdrücklich für ihre Rechte und Interessen einsetzt, entzogen. Seit zwei Jahren besteht eine Gruppe von Jugendlichen, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Interessen ihrer Altersgruppe in Wiltz auf Eigeninitiative zu vertreten und zu verteidigen.

 

Wozu braucht eine Region Jugendbeteiligung?

Ein schwindendes politisches Interesse, ein ausgeprägtes Konsumverhalten und die damit einhergehenden Symptome von mangelnder Identifikation mit dem lokalen und regionalen Geschehen sind flächendeckend zu beobachten. Politische Parteien suchen vergebens nach Nachwuchs, während dessen ärgern sich Jugendliche über eine zu wenig auf sie angepasste lokale und regionale Infrastruktur, wie zum Beispiel im Transport oder im öffentlichen Raum.

Ein Jugendbüro soll dieser immer grösser werdenden Diskrepanz entgegenwirken und sich für die aktive Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihren Bedürfnissen einsetzen. Dazu gehören neben einer effektiven Sensibilisierungsarbeit auch die Durchsetzung von Jugendinteressen und die Institutionalisierung von lokalen Gremien und Foren für Jugendliche und Politiker. Damit lädt das Jugendbüro einerseits die Politiker der Region dazu ein, ihre Agenda an die Bedürfnisse ihrer jungen Bürger anzupassen und damit ihre Gemeinde jugend- sowie familienfreundlicher zu gestalten. Andererseits erfahren Jugendliche den direkten Kontakt mit Entscheidungsträgern, lernen ihre Interessen in demokratischen Strukturen zu verankern und erleben den Mehrwert ihres Engagements. Das erlaubt ihnen, sich mit ihrem Lebensraum und Wohnort auseinanderzusetzen und mitzugestalten, wodurch ihr Gefühl der Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit erhöht wird.


Was ist und was macht ein Jugendbüro?

Das Jugendbüro ist ein Ort, an dem Jugendliche sich über ihre Belange austauschen können, oder aber sich über laufende Projekte informieren und Eigeninitiative zeigen können.

Das Jugendbüro versteht sich als regionaler Service, dient als Bindeglied zwischen Politikern und Jugendlichen und setzt sich für eine transparente, altersgerechte und unkomplizierte Kommunikation ein. Es unterstützt junge Bürger zwischen 13 und 30 Jahren, sich aktiv an der Gestaltung und dem aktiven Handeln in ihrer Gemeinde und Region zu beteiligen.

Das Jugendbüro ist eine Anlaufstelle, an welcher politische Bildung methodisch und strategisch unterstützt und evaluiert werden. In enger Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren und Entscheidungsträgern werden Wege erörtert, wie man Jugendliche an der Gestaltung der sie betreffenden Lebensbereiche nachhaltig und über ihr Jugendalter hinaus beteiligen kann.

Bisher wurden Interessen von Jugendlichen auf nationalem, regionalem oder lokalem Niveau überwiegend punktuell erhoben oder anhand von regelmäßig stattfindenden Jugendkommissionen und Jugendhäusern in Gemeinden vertreten. Das Konzept eines Jugendbüros schließt an das Konzept des Kinderbüros an und bietet der Altersgruppe die Möglichkeit, auf eine beständige und in die regionalen Infrastrukturen eingebettetes Büro zurückzugreifen, das ansprechend und professionell ausgestattet ist. Besonders die Altersgruppe zwischen 12 und 15 Jahren befindet sich in einer oft für sie belastenden Umorientierungsphase, in welcher eine solche Beteiligungsinstanz Halt und Identifikationsmöglichkeiten bieten kann. Die Mitarbeiter sind in Kommunikations- und Moderationstechniken ausgebildet und wissen, wie man sich für die Rechte und Interessen der Jugendlichen einsetzt. Dies bietet eine noch nicht dagewesene Plattform in Luxemburg, um sich methodisch und dauerhaft mit den Bedürfnissen einer Altersgruppe zu befassen. Als neuer Service im sozialen Bereich unterstützt das Jugendbüro Jugendliche dabei, ihre Rolle als Mitgestalter der Gesellschaft (z.B. als Wähler oder Arbeitnehmer) zu verstehen und zu leben. Dabei spielt nicht nur die Förderung ihrer individuellen Kompetenzen eine große Rolle, sondern auch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen wie zum Beispiel soziale Inklusion und Freiwilligendienste.

Die Arbeit des Jugendbüros kann an die Arbeit der bestehenden Strukturen angegliedert werden und dient als komplementäre Plattform für die intensive Auseinandersetzung und Unterstützung in Sachen Partizipation und politischer Bildung. Diese Plattform bietet Know-How und Erfahrung zur Erarbeitung von Projekten mit Jugendstrukturen, aber auch den direkten Zugang für Jugendliche und ihre Bedürfnisse.

 

Warum soll das Jugendbüro in Wiltz angesiedelt sein?
 

In Wiltz wurde 2012 das Kannerbureau Wooltz eingeweiht. Dieses luxemburgische Pilotprojekt hat zum Ziel, die Kinder zwischen 0 und 12 Jahren in der Wiltzer Gemeinde in das Gemeindeleben miteinzubinden, und ihre Recht auf Mitbestimmung auf kindgerechte Weise wahrzunehmen.

Im Rahmen eines Jugendprojekts wurde 2013 eine Umfrage an alle Jugendlichen der Gemeinde Wiltz zwischen 13 und 30 Jahren verschickt, um Meinungen und Ideen dieser Bevölkerungsgruppe zu sammeln. Diese Arbeit mündete in einer Jugendkonferenz welche 2014 in Wiltz stattgefunden hat. Allen daran Beteiligten ist schnell klargeworden, dass die Jugendlichen in der Gemeinde wenig bis keine Orte haben, an denen sie sich außerhalb der Schule und ihrer Familien versammeln und abhängen können. So bildete sich anschließend eine Interessensgruppe „Platz fir d’Jugend“, bestehend aus Jugendlichen zwischen 15 und 27 Jahren. Diese Gruppe wurde seither vom Wiltzer Gemeinderat unterstützt und erhält jedes Jahr ein Budget, um Projekte im Rahmen der Interessenvertretung der Jugendlichen in Wiltz und ihrer Mitgestaltung der Gemeinde durchzuführen. Über die letzten zwei Jahre hat sich diese Jugendgruppe mit einigen Projekten befasst. Die Zusammenarbeit mit dem Kinderbüro gewährleistete organisatorische und inhaltliche Struktur.

Seither hat sich die Gruppe regelmäßig mit dem Bürgermeister und Entscheidungsträgern ausgetauscht, um Ideen der Jugendlichen im Rahmen der Wiltzer Gemeinde umzusetzen. Einem jungen, engagierten Gemeindebeamtem wurde die Aufgabe der Organisation dieser Gruppe aufgetragen. Konferenzen und Versammlungen in der Schule haben stattgefunden. Seitdem der Gemeindebeamte weg ist, fehlt jemand, der die Gruppendynamik zusammenhält und die Projekte verfolgt. Trotz einer befürwortenden und unterstützenden Einstellung der Gemeindepolitiker, ist die langwierige Auseinandersetzung mit Interessenskonflikten und das mangelnde Knowhow der Gruppe ausschlaggebend für die schleppende und oft frustrierte Einstellung der Jugendlichen.

Es hat sich herausgestellt, dass die Gruppe viel erreicht hat: Jugendliche erreicht, Projekte diskutiert und mit den Verantwortungsträgern kommuniziert. Trotz ihres Engagements fühlt sich die Gruppe dennoch von solchen Aufgaben unter anderem aus zeitlichen Gründen überfordert. Es fehlt dieser Gruppe an personalen Ressourcen, die die Bedürfnisse, Ideen, Meinungen auf transparente Weise sammeln kann und versteht, sie im Rahmen der Kommune zu diskutieren und ansprechende Projekte zu verwirklichen.

Aus diesen Erfahrungen kann man ableiten, dass eine Gruppe junger Leute die beste Voraussetzung für ein gelingendes Jugendpartizipationsprojekt in einer Kommune ist, allerdings nicht hinreichend für deren qualitative und erfolgreiche Umsetzung. Die kontinuierliche Arbeit eines Jugendbüros erfüllt diesen Kompetenzbedarf und stellt Knowhow zur Verfügung, damit Ideen und Projekte eine unterstützende Öffentlichkeit bekommen, in welcher sie inhaltlich debattiert und in den entsprechenden Strukturen umgesetzt werden können. Darüber hinaus kann das Jugendbüro in Wiltz dort ansetzen, wo die Arbeit des Wiltzer Kinderbüros aufhört. Durch diese Zusammenarbeit kann nicht nur in der Wiltzer Gemeinde sondern auch in der Region Partizipation lebendiger gestaltet und eine Infrastruktur für die aus allen Richtungen herkommenden Jugendlichen geboten werden. Die hier bereits engagierten Jugendlichen können selbst als Multiplikatoren die Mission des Jugendbüros unterstützen, und das Know-How mit Hilfe einer vernetzten Infrastruktur weitervermitteln.

Nicht zuletzt sammeln sich die Jugendlichen im nördlichen Raum des Landes während der Schulzeit alle im Wiltzer Lyzeum. Dieses wird derzeit von etwa 1500 Schülern besucht. Wiltz ist damit Aufenthaltsort für viele junge Menschen der Region und bietet die richtige Ausgangssituation und richtigen Ausgangsort für die Einbettung einer regionalen Infrastruktur, die sich um die Belange der Jugend und ihre Einbettung in einen ihr zustehenden politischen Rahmen kümmert.

Im Jahr 2015 wurde bereits die erste Kinder- und Jugendkonferenz genannt KaJuKo (Kanner- a Jugendkonferenz) durchgeführt, um insbesondere Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren anzusprechen und sie einzuladen, ihre Projektideen und Interessen zu äußern. Diese Veranstaltung wurde auch vom Schöffenrat der Gemeinde Wiltz unterstützt und konkrete Projekte sind daraus entstanden. Auch hier wird dringend personelle Unterstützung benötigt, um die Projekte qualitativ weiterzutragen und sie nicht in rein animativen Einzelveranstaltungen münden zu lassen.  Aus der Erfahrung der letzten Jahre hat sich im Kinderbüro gezeigt, dass eine solche Struktur gebraucht und genutzt wird. Das Jugendbüro kann dieselbe Rolle im Jugendbereich übernehmen.

 

Wie geht das Jugendbüro vor?

Dafür soll auch der Austausch mit regionalen Partnern und Partnern im Ausland gefördert werden, damit das Jugendbüro einen Informations- und Methodenpool entwickeln kann, der Expertenwissen und Alltagserfahrungen vereinen und verwerten kann. Damit sich lokale mit regionalen Interessen verbinden und die damit einhergehenden Herausforderungen bewältigt werden können, muss ein guter Austausch mit Interessenspartnern erarbeitet werden und „Best practice“ Projekte studiert werden.

Neben einer guten Feldarbeit ist es wichtig die Erfahrungen und erworbenen Informationen den Bedürfnissen entsprechend zu reflektieren. Es handelt sich bei der Jugendbeteiligung um ein junges Arbeitsfeld, daher ist es wichtig, den Erfahrungsaustausch von allen Engagierten zu fördern. Dafür sind in diesem Projekt nicht nur Studienreisen, sondern auch eine regelmäßige fachliche Begleitung vorgesehen, die dazu dient, den roten Faden zu setzen und sich den Ansprüchen dieser innovativen Herangehensweisen zu stellen. Verschiedene Bereiche wie Demokratiepädagogik, Jugendbeteiligung und infrastrukturelle Zusammenhänge werden in einem solchen Rahmen reflektiert, es wird eine gemeinsame Sprache für dieses Feld entwickelt, damit sich eine nachhaltige und erfolgreiche Arbeitsweise zwischen allen Partnern und Zielgruppen herausbilden kann.

Eine enge Zusammenarbeit auf lokaler Ebene ist bereits durch die Entwicklung des Kinderbüros garantiert. Das Jugendbüro kann sich auf die Wiltzer Partner im Kinder- und Jugendbereich stützen, um erste Kontaktaufnahmen mit Jugendlichen zu knüpfen. Mit dem Ziel, das Jugendbüro in der Region zu verankern, ist eine Zusammenarbeit mit den Lyzeen in Wiltz, Diekirch, Ettelbruck und zu einem späteren Zeitpunkt auch mit dem Lyzeum in Clervaux vorgesehen.  Auf Events in der Region kann nicht nur sensibilisiert, sondern auch inhaltlich auf die Zielgruppe eingegangen werden: wichtig ist es, den Jugendlichen zu zeigen, dass etwas geschieht und sich verändert.

Für eine solche vielfältige Arbeit benötigt das Projekt das Engagement einer Person mit theoretischen und praktischen Fähigkeiten im soziokulturellen und politischen Bereich. Die Arbeit mit Erwachsenen als auch Jugendlichen und der Übertragung abstrakter Zusammenhänge in einen konkreten Alltag verlangen dieser Person Kompetenzen ab in Bereichen wie: Öffentlichkeitsarbeit, Recherche, Teamarbeit, Eventmanagement und interkultureller Kommunikation.

Partner

  1. MENJE
  2. Zentrum für politische Bildung
  3. Jugendhaus Wiltz asbl
  4. Jugendhaus Troisvierges
  5. Lycée du Nord Wiltz
  6. Kommunen der Leader Region
  7. Service national de la Jeunesse

 Zeitspanne

 Zwei Jahre: März 2017 bis März 2019